Eine Volksbank im Kampf gegen ihre Mitglieder

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Volksbank Montabaur-Höhr-Grenzenhausen  erleidet Schlappe vor dem Landgericht Koblenz

Koblenz. Das Landgericht Koblenz hat die Volksbank Montabaur-Höhr-Grenzenhausen zur Zahlung von Schadenersatz wegen Falschberatung verurteilt. Das Gericht gab damit einem Anleger recht, der sich im Jahr 1992 auf Empfehlung der Volksbank am DG-Immobilienfonds Nr. 30 beteiligt hatte.


Dem Anleger wurde diese Beteiligung seinerzeit als „sichere Anlage“ in „wertbeständige Immobilien“ verkauft. Nachdem der Anleger nie eine Ausschüttung erhalten hatte und er feststellen musste, dass das eingesetzte Kapital durch die drohende Zahlungsunfähigkeit der Fondsgesellschaft wohl verloren ist, nahm er Gespräche mit seiner Bank auf. Doch zu seiner Verwunderung zeigte sich die Bank wenig interessiert an seinem Schicksal und dem durch ihre Anlageberatung verursachten Desaster. Die Bank berief sich auf Verjährung und lehnte Schaden­ersatz­forderungen ab.

Trotz seiner angeschlagenen Gesundheit entschloss sich der mittlerweile hochbetagte Anleger, gegen seine Bank zu klagen. Da der Kläger keine Rechtsschutzversicherung hat, ließ er durch seinen Anwalt einen Vergleich mit 50 Prozent der Beteiligungssumme anbieten. Die Bank lehnte ab. Offensichtlich unbeeindruckt vom Gesundheitszustand ihres langjährigen treuen Mitglieds, zeigte sich die Bank uneinsichtig und beharrte auf ihrem Standpunkt. Dabei war unstrittig, dass die Beratung dazu geführt hatte, dass der Anleger sein Geld verloren hat. Trotzdem sah sich die Bank im Recht und ließ durch ihre Juristen behaupten, die Sache sei verjährt und Schaden­sersatzansprüche damit hinfällig. Ohnehin habe sie bei der Beratung ihres Kunden keine Fehler gemacht.

Entgegen der eindeutigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs hatte die Bank ihrem Kunden jedoch verschwiegen, dass sie für das halbstündige Verkaufsgespräch DM 8.000,- an Provision erhalten hat. Das Gericht sah hierin einen Beratungsfehler und verurteilte die Bank zur Zahlung von Schadenersatz in Höhe der kompletten Anlagesumme von 100.000 DM (53.600 Euro) nebst Zinsen in Höhe von fünf Prozent über dem jeweiligen Basiszinssatz.

Rechtsanwalt Dr. Michael Schulze von der Kanzlei RWSF in Schweinfurt zeigte sich zufrieden: „Neben dem positiven Urteil freuen wir uns vor allem darüber, dass das Gericht Rücksicht auf den bemitleidenswerten Gesundheitszustand des Klägers nahm und ihm die Strapazen einer Vernehmung in der Hauptverhandlung ersparte.“ Die Ehefrau des klagenden Anlegers hatte sich ernsthafte Sorgen gemacht: „Ein Auftritt in der Hauptverhandlung hätte ihn gesundheitlich und emotional sehr mitgenommen“.

Das genossenschaftliche Kreditinstitut zeigt sich weiter uneinsichtig und hat zwischenzeitlich Berufung eingelegt. Trotz eindeutiger Urteile verschiedener Oberlandesgerichte und des Bundesgerichtshofes in vergleichbaren Fällen will sie auch diesen Rechtsstreit bis zur letzten Instanz durchziehen – wohl auch um weitere geschädigte Anleger abzuschrecken. Das gesundheitliche und finanzielle Wohlergehen ihrer Mitglieder und Kunden scheint die Bank hier nicht zu interessieren.

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Eine Antwort to “Eine Volksbank im Kampf gegen ihre Mitglieder”

  1. Klaudia Says:

    Ich wollte nur mal Hallo flüstern. Ich lese nun hier schon einige Zeit mit. Deswegen: Hallo 🙂

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