Volksbank Main-Tauber: Rechtskräftig wegen Falschberatung verurteilt

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Die Volksbank Main-Tauber eG (ehemals Bad Mergentheim) muss einem Kläger seinen gesamten Schaden ersetzen, den er mit einer von der DZ-Bank herausgegebenen Cobold-Anleihe erlitten hat. Die Bank habe den Anleger mangelhaft über die Risiken informiert und zudem verschwiegen, dass sie für den Verkauf des Papiers eine Provision kassiert habe, urteilte das Landgericht Ellwangen (Az. 5 O 77/09). Das Urteil ist rechtskräftig.

Anlage sollte die Ausbildung des Sohnes absichern

Im vorliegenden Fall hatte ein Vater rund 50 000 Euro für die Ausbildung seines zum Anlagezeitpunkt noch minderjährigen Sohnes anlegen wollen. Laut Gesprächsdokumentation der Volksbank wurde der Mann als risikoscheuer Anleger eingestuft. Dennoch verkaufte ihm der Berater der Bank die riskante Cobold-Anleihe. Sie sollte bis 2010 jährlich 3,2 Prozent Zinsen erwirtschaften. Doch die Anleihe verlor, weil die US Investmentbank Lehman Brother pleite machte. Denn die Cobold- Anleihe war nicht nur von der Zahlungsfähigkeit der Herausgebers abhängig, sondern zusätzlich an die Zahlungsfähigkeit der Deutschen Bank sowie den US-Banken Merrill Lynch, JP Morgan Chase, Morgan Stanley und Lehman Brothers gekoppelt. Kann eines dieser Unternehmen seine Anleiheschulden nicht bezahlen, tauscht die DZ-Bank die Cobold-Anleihe gegen die Anleihe der Pleitefirma aus. Im vorliegenden Fall tauschte die DZ-Bank die Cobold-Anleihe gegen die Anleihe von Lehman aus.

Fast 90 Prozent Verlust

Im November 2008 betrug der Wert der Lehman-Anleihe, die der Kläger für sein 50 000-Euro-Papier bekam, gerade mal noch 3 800 Euro. Nachdem die Bank Schadenersatzzahlungen wegen Falschberatung ablehnte, klagte der Sohn und bekam vom Landgericht Ellwangen Recht.
„Reine Order-keine Beratung“

Das Gericht ging – anders als die Bank – vom Vorliegen eines Beratervertrags aus. Die Bank könne sich nicht auf eine reine Order berufen. Schriftliche Empfehlungen der Bank und ein nach der Anlageentscheidung geführtes Telefonat sprächen dagegen. Im Rahmen der Beratung hätte die Bank den Anleger über die besonderen Funktionsweisen des Papiers aufklären müssen. Insbesondere hätte über ein Totalverlustrisiko für den Fall der Insolvenz eines Referenzunternehmens aufgeklärt werden müssen, urteilte das Gericht. Die Richter rügten auch, dass dem Anleger weder die Produktinformation noch die Anleihebedingungen zu der Cobold-Anleihe ausgehändigt wurden.
Rückvergütungen verschwiegen

Ein weiteres Fehlverhalten der Bank sahen die Richter darin, dass die Bank den Anleger nicht darüber aufklärte, dass sie für den Verkauf der Anleihe Provisionen von der DZ-Bank kassierte. Damit habe sie ihr Eigeninteresse an dem Geschäft nicht offengelegt.

Schadenersatz plus Zinsen

Der von Rechtsanwältin Jana Narloch aus der Münchener Kanzlei Wilhelm Lachmair & Kollegen vertretene Anleger erhält nun sein eingesetztes Geld abzüglich einer im ersten Jahr erhaltenen Zinszahlung zurück. Um den Anleger so zu stellen, also ob er die Anlage gar nicht abgeschlossen hätte, muss ihm die Volksbank zusätzlich Zinsen in Höhe von 3,1 Prozent pro Jahr auf seine Anlagesumme zahlen. Diese Zinsen hätte er erwirtschaftet, wenn sein Geld in inländische Inhaberschuldverschreibungen angelegt worden wäre, heißt es im Urteil.

Quelle:  Stiftung Warentest

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3 Antworten to “Volksbank Main-Tauber: Rechtskräftig wegen Falschberatung verurteilt”

  1. VobaSchaden Says:

    Ein gerechtes Urteil! Die „provisionsgesteuerten“ Volksbanken haben offenbar jeden Anstand verloren, ihre Kunden über die eigene Befangenheit im Beratungsgespräch aufzuklären. Das ist dem ursprünglichen Genossenschaftsgedanken nicht würdig. Wer so arbeitet, ist langfristig dem Untergang geweiht.

  2. vrbankopfer Says:

    Erst falsch beraten, Provisionen kassieren und dann hinterher versuchen, die Verantwortung dafür abzulehnen: das ist die Wirklichkeit bei vielen Volks- und Raiffeisenbanken.
    So geht man nicht mit seinen Mitgliedern um.
    Endlich hat ein Gericht mehr dem Kunden geglaubt!

  3. chris Says:

    Leider hatte ich, eine Rentnerin nicht so viel Glück beim LG München. Habe elterliches Erbe und Abfindung wegen Falschberatung durch Volks-und Raiffeisenbank Rosenheim-Miesbach verloren. Berater hat alles Ersparte in verlustreiche Zertifikate der DZ Bank gesteckt.

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