Medien aufmerksam beobachten

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Lange Zeit haben es Volks- und Raiffeisenbanken mit ihrer Medienarbeit geschafft, vom Skandal um die DG-Fonds abzulenken. Themen wie eine Spende an einen Kleintierzüchterverein, das Sponsoring eines Radrennens oder die Verabschiedung eines „verdienten Vorstandes“ wurden hoch aufgehängt, während man versuchte, alles Negative tot zu schweigen.

In teils wortlaugleichen Pressemitteilungen wurden von VR-Banken in ganz Deutschland konstuierte Erfolgsstories verbreitet. Leider haben viele Medien diese vermeintlichen Positiv-Nachrichten ungeprüft übernommen, was zu einem falschen Bild in der Öffentlichkeit führte. So erzählte man so lange die Mär vom „Sieger der Finanzkrise“, bis viele verunsicherte Kunden ihre Vermögen in die Hände genossenschaftlicher Banken legten, weil sie glaubten, dort sicher zu sein.

Dass diese vorgegaukelte „Sicherheit“ in Wirklichkeit substanzlos ist, zeigt der DG-Immobilienfonds-Skandal, in den zahlreiche VR-Banken verwickelt sind: Schon vor knapp zwei Jahrzehnten haben rund 22.000 Anleger auf die Sicherheit und Seriosität des Genossenschaftlichen Finanzverbundes vertraut, als sie sich auf Empfehlung ihrer Volks- oder Raiffeisenbank dafür entschieden, ihre Ersparnisse in „sichere“ und „wertbeständige“ DG-Fonds anzulegen, um etwas sinnvolles für ihre Altersvorsorge zu tun. Als in den letzten Jahren klar wurde, dass die Fonds pleite sind und die Anleger ihre komplette Einlage verloren haben, reagierte man auf der Bankenseite mit Arroganz gegenüber den Anlegern und startete eine beispiellose PR-Kampagne, um von dem Skandal abzulenken. Reaktionen geschädigter Anleger gegenüber den Medien wurden häufig unter den Teppich gekehrt, weil die Volksbank-Vorstände stets von Einzelfällen sprachen, wenn sie von Journalisten mit dieser Thematik konfrontiert wurden. Dass eine große Zahl von Kunden ausgerechnet bei den genossenschaftlichen Banken Ihr Vermögen oder große Teile davon verloren haben, war lange Zeit nicht in den Medien zu lesen.

Glücklicherweise ist in den meisten Redaktionen die Zeit der „mildernden Umstände“ für das einstmals vertrauenswürdeige genossenschaftliche System vorbei. Immer mehr Redakteure erkennen, dass Raiffeisens Nachkommen das ehrwürdige genossenschaftliche Erbe der Macht- und Geldgier geopfert und das komplette System mehr oder weniger skrupellos heruntergewirtschaftet haben. Doch die Erkenntnis ist die eine Seite. In manchen Verlagen scheinen die Redakteure unter wirtschaftlichen Zwängen zu stehen, ganz so, als ob einige Verlagsleiter anordneten, man müsse bei den „Wegfreimachern“ wegen ihrer Anzeigenumsätze auch redaktionell beide Augen zudrücken.

Anleger, die feststellen, dass in ihrer Zeitung nur positiv über die „Taten“ ihrer Volks- oder Raiffeisenbank berichtet wird, obwohl es nachweislich auch andere Dinge zu berichten gäbe, sollten sich daher an ihre Medien wenden und die Redaktionen auf eventuelle Missverhältnisse in der Berichterstattung hinweisen. Dies gilt auch dann, wenn kritische Meinungsäußerungen, z.B. in Form von Leserbriefen, nicht veröffentlicht werden. Damit die Verlage ihrer Verpflichtung zu einer objektiven Berichterstattung nachkommen, wurde der Deutsche Presserat gegründet. Sollten Verlage durch einseitige Berichterstattung auffallen, können sich die Betroffenen dort beschweren.

„Glücklicherweise hat die Mehrheit der Redaktionen mittlerweile erkannt, wie faul es im Genossenlager zu geht“, sagt ein Anlegerschützer, „wir sollten uns daher dafür einsetzen, dass Redakteure, die objektiv berichten, von uns unterstützt werden“. Unter den geschädigten Anlegern seien auch viele Geschäftsleute, die ebenfalls bedeutende Anzeigenumsätze bei den Verlagen tätigen. Verleger sollten acuh das in ihre (im übrigen unlauteren) wirtschaftlichen Erwägungen mit einbeziehen.

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Eine Antwort to “Medien aufmerksam beobachten”

  1. Hans Joachim Bendlin Says:

    Schade, dass einige Medienvertreter mehr die Interessen ihrer Anzeigekunden im Auge haben als das Recht der viel größeren Zahl der Leser an einer objektiven und ausgewogenen Berichterstattung. Seriöser Journalismus stelle ich mir anders vor. Skandale müssen an die Öffentlichkeit und die Verantwortlichen beim Namen genannt werden.
    Wenn das nicht geschieht, werden die Betrüger geschützt und können ihr unseliges Treiben weiter veranstalten. Und die betroffenen Geschädigten werden darüber hinaus vor den Kopf gestoßen.

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