Karlsruhe: Anleger wehrt sich gegen Bank

by

Beratungsfehler-Vorwürfe gegen Spar- und Kreditbank Karlsruhe werden am 17. November 2010 vor dem Landgericht Karlsruhe verhandelt.

Lange Zeit hat Hans Joachim Bendlin seiner Hausbank, der Spar- und Kreditbank Karlsruhe, vertraut. Dass das ein Fehler war, bekam er bitter zu spüren, als seine vermeintliche Altersvorsorge – eine von der Bank als „wertbeständige, sichere Kapitalanlage“ angepriesene Immobilienbeteiligung – plötzlich wertlos war. Die Bank selbst redet heute von „hochspekulativen Anlagen“ und davon, dass der Anleger ein unternehmerisches Risiko eingegangen sei. Nachdem sich in das in der Beratung ganz anders angehört hatte, wollte Bendlin dies nicht so einfach hinnehmen und suchte nach einer gütlichen Entschädigungslösung mit der Bank. Diese sah sich im Recht und lehnte einen Kompromiss ab. Jetzt wird die Sache vor Gericht verhandelt.

„Die genossenschaftlichen Banken tun heute so, als wäre bei ihnen die Welt in Ordnung gewesen, bis die von anderen verursachte Bankenkrise ihr Paradies beschädigt hat“, sagt Bendlin. „Manche Leute können sich vielleicht noch an den Badenia-Schrottimmobilien-Skandal erinnern, doch die VR-Banken haben es geschafft, ihren hauseigenen DG-Fonds-Skandal mit weit über 20.000 geschädigten Anlegern lange Zeit zu vertuschen.“ Dass das Vertrauen vieler gutgläubiger in ihre Bank schamlos ausgenutzt wurde, zeigt die Klagewelle gegen die Volks- und Raiffeisenbanken, die jetzt angelaufen ist. Dabei treten Dinge ans Licht, die wirklich empörend sind: Während dem Anleger vorgegaukelt wurde, man berate neutral und anlegerorientiert, weil man als genossenschaftliche Bank ja ausschließlich den Interessen der Mitglieder verpflichtet sei, wurde „hintenherum abgesahnt“: An der verlorenen Altersvorsorge der Anleger wurde kräftig mitverdient – dies kam in den letzten Monaten nimmer mehr ans Tageslicht, nachdem der genossenschaftliche Verbund es geschafft hatte, fast zwei Jahrzehnte lang „dicht zu halten“.

DG-Fonds-Misere: Unvorhersehbare Entwicklung oder vorsätzlicher Anlagebetrug?

Zahlreiche Kunden von genossenschaftlichen Kreditinstituten, also i. d. R. Volks- und Raiffeisenbanken haben in den 90er Jahren auf Anraten Ihrer Bankberater Anteile von DG-Immobilienfonds gezeichnet. Da häufig die Ersparnisse zu gering waren, empfahlen die Bankberater eine Finanzierung über Kredite, an denen die Bank ebenfalls verdiente. Versprochen wurde dabei eine solide, wertbeständige Geldanlage mit dem Hintergrund, im Alter auf entsprechende Rücklagen als Ergänzung zur gesetzlichen Rente zurückgreifen zu können. Nun, in den letzten Jahren mussten die Anleger mit Verwunderung feststellen, dass die prognostizierten Erträge ausblieben. Die Auslastung der Mietobjekte und – damit verbunden – die Mieterträge wurden ständig nach unten korrigiert. Dennoch wurde immer wieder ein vom Grunde her positives Bild gezeichnet mit der Hoffnung auf eine Wende in der Entwicklung. Im Jahr 2006 hat sich offensichtlich die Situation dramatisch entwickelt, da nunmehr die Schuldenentwicklung der Immobilienfonds an einem Punkt angelangt ist, dass die Aussichten auf eine Wende in der Ertragsentwicklung immer aussichtsloser wurden.

Plötzlich wurde von „Sanierungskonzepten“ geschrieben. „Die Immobilen sind ja noch da“ war der erste Gedanke und die Anleger gingen davon aus, dass nur eine Durststrecke zu überwinden sei, doch die Schulden der Fondsgesellschaften waren weit höher als der Wert der Immobilien. Deshalb fielen nicht nur die Erträge komplett aus, sondern in den meisten Fällen droht wohl der Totalverlust der Einlagen. Im Glauben auf die seriös dargebrachten Empfehlungen der genossenschaftlichen Hausbanken haben die meisten Anleger ihren Bankberatern vertraut und die Versprechen auf eine sichere Geldanlage ernst genommen und keinerlei Zweifel gehegt. Denn, dass eine Hausbank und dazu eine genossenschaftliche, langjährige Kunden mit unseriösen Empfehlungen enttäuschen könnte, hielten die meisten für undenkbar. Nun, da die Hintergrundinformationen zum Zeitpunkt der Fondsakquisitionen allmählich zu Tage treten und andere Fakten im Umfeld der Fondsverwaltung bekannt geworden sind, macht sich bei den Anlegern Enttäuschung und vielfach auch Wut breit. Die Bandbreite der kritischen Bemerkungen reicht von Falschberatung bei den Beratungsgesprächen über Missmanagement bei der Fondsverwaltung bis hin zu fahrlässigem oder gar vorsätzlichen Anlagebetrug. Offensichtlich haben auch die von den Genossen hoch gelobten internen Sicherheitsmechanismen versagt. Den genossenschaftlichen Prüfungsverbänden scheinen die überaus optimistischen Ertragsprognosen in Verbindung mit den überbewerteten Objektkosten und dem unverhältnismäßig hohen Anteil an „weichen Kosten“ ebenso wenig aufgefallen zu sein wie den bankinternen Innenrevisionsabteilungen. Auch wurden Warnungen aus internen Bankenkreisen zumindest grob fahrlässig ignoriert. Die Quittung hierfür bezahlen nun die Anleger.

Wer sich das nicht gefallen lassen will, dem bleibt nur der Klageweg, doch Bendlin weiß: „Von Waffengleichheit vor Gericht kann keine Rede sein, denn wer gegen seine Bank klagt, dem stehen sofort ganze Heerscharen genossenschaftlicher Spezialanwälte entgegen, während man selbst womöglich nicht mal eine Rechtsschutzversicherung hat“.

Bei den Prozessen ist in der Tat immer wieder die gleiche Argumentation zu hören, die in jedem einzelnen Fall zu widerlegen ist: Die Bank habe nie beraten, sondern nur vermittelt. Der Anleger hätte bewusst riskant angelegt, weil er ausschließlich Steuern sparen wollte. Man habe auch keine Provisionen oder Rückvergütungen erhalten – und wenn doch, hätte man den Anleger stets darüber informiert. Im Übrigen sei die Sache ohnehin längst verjährt. Auch wenn die Banken in den letzten Monaten mit diesen Argumenten vor Gericht regelmäßig gescheitert sind, bekommen die Gerichte von den Bankanwälten bergeweise längst bekannte Literatur aufgetischt. Hans Joachim Bendlin berichtet: „Ich selbst habe zwischen 1992 und 1994 bei drei verschiedenen Geschlossenen Immobilienfonds Anteile im Gesamtwert von rund 56.000 € gezeichnet. Alle drei Fonds sind inzwischen überschuldet und damit wertlos geworden. Seit 2007 versuche ich auf verschiedenen Wegen, wieder an mein Geld zu kommen. Hierzu habe ich mehrere, leider ergebnislose, Gespräche mit dem Bankvorstand meiner damaligen „Bank meines Vertrauens“ geführt. Selbst schriftliche Beschwerden an Aufsichtsrat, regionalen und zentralen Genossenschaftsverband sowie Ombudsmann fruchteten nichts. Ob der dornenreiche Weg über eine Klage meinerseits Erfolg zeigen wird, ist derzeit völlig offen. Es geht für mich um das Geld, das ich mir mühsam für meine private Altersvorsorge als Ergänzung zur gesetzlichen Rente beiseitegelegt habe.“

In den letzten Wochen häufen sich die letztinstanzlichen Urteile gegen die verklagten Banken. Einige Banken haben den Ernst der Lage erkannt und kurz vor dem richterlichen Urteil eingelenkt und eine Entschädigung angeboten. „Damit ist die genossenschaftliche Blockadepolitik endgültig gescheitert“, sagt ein Anleger-Anwalt. „Die Banken täten gut daran, jetzt eine freiwillige Entschädigung vorzunehmen, denn aus der angelaufenen Prozesswelle könnte schnell ein Tsunami werden.“

Die erste Verhandlung im Fall Bendlin gegen die Spar- und Kreditbank Karlsruhe beim Landgericht Karlsruhe findet am 17. November um 10.00 Uhr statt. Anleger Bendlin – übrigens ein langjähriger Mitarbeiter eines Verbundunternehmens und seit 35 Jahren Kunde und Mitglied dieser Bank – harrt den Dingen, die da kommen: „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“

Advertisements

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

3 Antworten to “Karlsruhe: Anleger wehrt sich gegen Bank”

  1. vobaschaden Says:

    Herrn Bendlin drücke ich fest die Daumen, dass er vor Gericht sein Erspartes wieder zugesprochen bekommt. Ich bin selbst einer der 20.000, die durch Volksbanken Schaden erlitten haben, als wir den Versprechen von sicherer Altersvorsorge geglaubt haben. Dabei haben sich die DZ-Bank und die Volksbanken aus den Erträgen bedient, das Vermögen von Jahr zu Jahr aufgezehrt und heute beschimpfen sie uns obendrein. Gibt es Gerechtigkeit? – Auf das Urteil darf man sehr gespannt sein.

  2. Witte Says:

    Da auch ich von meiner Genossenschaftsbank, mit dem Versprechen einer guten und vor allem sicheren Altersanlage, ordentlich über den Tisch gezogen wurde, nehme ich den Weg auf mich, und bin an diesem Prozeß in Karlsruhe mit dabei. ich hoffe doch sehr, dass es für Herrn Bendlin positiv ausgehen wird

  3. Traude Großmüller Says:

    Mein Berater, der mich schon mehr als 20 Jahre betreut hat, wusste, dass ich bei Geldanlagen immer auf Nummer Sicher gegangen bin. In diesem Fall bin ich von meiner „Bank des Vertrauens“ mit dem Versprechen einer guten und sicherern Geldanlage quasi reingelegt worden. Ich hoffe, dass Herr Bendlin zu seinem Recht kommt und bin sehr auf den Ausgang des Prozesses gespannt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: