Geheimniskrämerei

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Die Deutsche Justiz tut sich schwer mit der Öffentlichkeit. Viele Anleger, die schon mal eine „öffentliche“ Verhandlung in Sachen DG Fonds  besuchen wollten, können ein Lied davon singen. Die Termine werden nicht etwa auf einer offiziellen Seite des jeweiligen Gerichts im Internet bekannt gegeben, sondern nur am Aushang im Gerichtsgebäude. Ob damit der Anspruch an eine „öffentliche“ Verhandlung erfüllt ist, sei dahingestellt.

Interessenten, die sich bei Gericht nach einem Verhandlungstermin erkundigen wollen, können in der Regel ohne das Aktenzeichen (Az) des jeweiligen nicht viel ausrichten. Klagende Anleger sollten daher anderen Geschädigten ihr Aktenzeichen nennen, damit diese sich beim zuständigen Gericht nach dem Verhandlungstermin erkundigen können. Gerade im DG-Fonds-Skandal ist es wichtig, dass allen Beteiligten klar wird, dass sich die Öffentlichkeit dafür interessiert, wie Banken und deren Anwälte mit den genossenschaftlichen Kunden umgehen.

Eine wichtige Rolle spielen auch die Kläger-Anwälte. Da gibt es Kanzleien, bei denen die Öffentlichkeitsarbeit einen höheren Stellenwert zu haben scheint, als der juristische Erfolg. Wer als Anwalt vor Gericht wenig Erfolge einfährt, hält sich konsequenterweise bedeckt und will nicht, dass andere Kläger von den Misserfolgen der Kanzlei erfahren. Wenn ein Kläger also wissen will, ob er von einem guten oder von einem schlechten Anwalt vertreten wird, dann fordert er ihn auf, das Aktenzeichen seines Falles und die Verhandlungstermine öffentlich zu kommunizieren – zum Beispiel auf der Internetseite der Kanzlei oder durch Mitteilung an den Bankgenossen und sonstige Medien. Wenn der Anwalt (oder die Anwältin) das ablehnt, könnte dies ein Indiz für seine (oder ihre) wirkliche Erfolgsbilanz sein.

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10 Antworten to “Geheimniskrämerei”

  1. M. Janssen Says:

    Oh ja – mir fällt da sofort eine Kanzlei ein, die eine große Lippe hat und fleißig durchs Land tourt, um geschädigte Anleger als Mandanten zu werben.

    Dabei hat gerade diese Kanzlei ganz und gar keine gute Bilanz vorzuweisen, wenn es um die Erfolgsquote vor Gericht geht.

  2. SWMike Says:

    Als ob da ein Hahn nach krähen würde. Dabei berichtete die Süddeutsche Zeitung bereits 2008 unter der Überschrift „Auf Kundenjagd im Hotel“ über zweifelhafte Versprechungen im Zusammengang mit Mandantenwerbung mit dem Kommentar „Manche Anwälte sind halt besser im akquirieren als im prozessieren“. Ist ja mit eigenem kostenpflichtigen Akquiseverein und teurem Gutachten, daß keinem Anlieger vorliegt und bislang kein Gericht zur Stattgabe der Klage bewegt hat auch kein Problem. Allein der betroffene Anleger hat das Gefühl, daß ihm ein zweites Mal das Fell über die Ohren gezogen wurde.

    • M. Janssen Says:

      😉

      • Schwarzwälder Anleger Says:

        Der Hahn kräht doch nur nach Anlegern, die gegen Gebühr in einen untätigen Verein eintreten sollen, um sich erneut abzocken zu lassen. Was die armen Anleger alles aus der Tasche gezogen wird, ist ein dicker Brocken, Mann!

        Und in Berlin ist das nicht viel anders. Ende.

  3. Andi Anleger Says:

    Klagen – ja, unbedingt. Aber Augen auf bei der Wahl des Anwalts!

  4. volksbankenopfer Says:

    Auch ich bin in dem von der Kanzlei in Bremen ins Leben gerufenen „Schutzverein“ der auf einigen Veranstaltungen mir immer Mut zugesprochen hat, meine in die DG Fonds investierte Anlagen zurückzuerhalten. Ausser mehreren tausend Euros die ich an „Mitgliedsbeiträgen“ und Gebühren für vergebliche „aussergerichtliche Bemühungen“ gezahlt habe, ist da bisher nichts rausgekommen.
    Jetzt redet die Kanzlei in Bremen von „Sammelklagen“, die, wie ich aus der Literatur entnehme, es in Deutschland überhaupt nicht gibt. Bin mir mit einigen Geschädigten einig, nicht mehr mitzumachen und aus dem „Schutzclub“ auszutreten. Es bleibt leider die Erkenntnis, sowohl von der Bank als auch von dieser Kanzlei in Bremen über den Tisch gezogen worden zu sein…..

  5. David Blaz Says:

    Ein Blick von der anderen Seite: Ich behaupte, viele Menschen haben es nicht anders verdient als immer wieder getäuscht zu werden sonst hätten wir keine Werbung wie „Geiz ist Geil“ oder Zeitungen wie Bild (Sport mag gut sein aber wenn das so ist, warum sind die Beiträge denn immer hinten)? Der beste KFZ-Mechaniker kann nichts anfangen ohne die richtigen Werkzeuge zu haben. Genau so ist es mit den Kanzleien. Zu denken, dass eine Kanzlei Ihnen helfen kann nur weil sie Anwälte sind, ist Naiv und von dieser Naivität profitieren sie. Ich persönlich kann aus eigener Erfahrung berichten, dass die Kunden lieber eine Kanzlei beauftragen wollen als die Instrumente zu erwerben, die nachweislich dienen würden.

    Ohne Namen oder Gerichtsprozesse zu nennen kann ich in der Sache Fundus Fonds 28, vermittelt durch (u.a.) AWD bestätigen, dass eine fehlerhafte bzw. unvollständige Plausibilität der Durchführbarkeit (das heißt, die Anlage war von Anfang an möglicherweise nicht plausibel und daher möglicherweise irreführend) durch Gutachten bestätigt wird. Für das erste Gutachten gehen viele Anleger mit Kanzleien jetzt in die Berufung vor dem OLG, was einfach mehr Geld für die Kanzleien bringt.

    Anstatt ein zweites Gutachten im Auftrag zu geben, gehen die Kanzleien durch die Instanzen — auf Kosten der Anleger.

    Es wird besser — ich habe höchstpersönlich ein zweites Gutachten im Auftrag gegeben, welches die gleichen Ergebnisse bringt wie das Erste. Dieses Gutachten wollen die Kanzleien nicht weil sie dadurch die Angelegenheit womöglich kostengünstig erledigen können und nicht durch die Instanzen gehen müssen. Aber dadurch verdienen sie kein Geld und das Vorhaben wird abgelehnt.

    Ich kann bestätigen was ich hier behaupte. Erst wann die Menschen informiert und vor allem aktiviert werden, kann mit den Finanzproblemen etwas unternommen werden oder war Stuttgart 21 einfach so entstanden? Was war mit E10 Benzin? Aha, jetzt auf einmal geht es. Ja, aber nur wenn die Menschen es wollen und nicht mehr blauäugig die Kanzleien blind vertrauen oder gehen Sie noch zum KFZ-Mechaniker, der keine Werkzeuge hat?

    Da ich weiß, was ich sage, schreibe ich auch meinen Namen.

    David Blaz

    • M. Janssen Says:

      Sehr geehrter Herr Blaz,
      in einigen Punkten kann ich Ihnen vielleicht zustimmen. Den DG Fonds-Komplex sollten Sie sich aber genauer anschauen: Die Rechtlage ist für die meisten Fonds längst geklärt und es bedarf keiner weiteren Gutachten. Aufgrund unseres Systems muss leider jeder einzelne Fall durchgefochten werden. Und da versucht die Bankenseite – zumeist erfolglos – immer wieder neue Nebelkerzen zu setzen, um vom relevanten Sachverhalt abzulenken. Da nützt ein weiteres Gutachten wenig. Da ist es wichtiger, relevantes von unvrelevantem z uunterscheiden und genau das vor Gericht zutreffend und glaubhaft dazustellen. In den Verfahren gegen die Beraterbanken dürfte also ein weiters Gutachten wenig nützen.

      Wo ein weiteres Gutachten vielleicht Sinn machen könnte, wäre bei den Prospekthaftungsfällen. Doch auch dort sind viele Punkte längst unstrittig und es geht nur noch um die Durchsetzung der Ansprüche. Und dazu braucht man nun mal einen Rechtsanwalt und keinen Gutachter.

      Glauben Sie – mir wäre es auch lieber, wenn man seine erwiesenermaßen berechtigten Forderungen ohne Anwalt durchsetzen könnte. Aber das geht halt leider nicht.

      Marion Janssen

      • David Blaz Says:

        Sehr geehrte Frau Janssen,
        auch ich kann Ihnen in vielen von Ihnen vorgetragenen Punkten sicherlich zustimmen aber in anderen Punkten empfehle ich die gesunde Trennung zwischen Theorie und Praxis denn die meisten Fälle enden mit einem Vergleich und nicht mit einem Beschluss vom Gericht (zumindest nicht in den ersten Instanzen). Obwohl es vielleicht Makaber klingt, die Problematik mit der Durchsetzungen von Ansprüchen liegt an der nötigen Zeit dafür und leider überleben viele Anleger das Ende eines Verfahrens nicht. Ob Sie für 20% Ihrer Anlage jetzt entscheiden oder versuchen auf dem Rechtsweg zu mehr zu kommen, muss jeder für sich entscheiden. Auch hier ist entscheidend und war eigentlicher Grundsatz meines Vortrages dass die richtigen Instrumente für die Erreichung von Zielen verwendet werden.

        Wie in meinem fiktiven Beispiel wäre ein KFZ-Mechaniker für die Fundus Fonds geeignet da er die passenden Werkzeuge dafür hat. Bei der DG wäre vielleicht ein Augenoptiker gebraucht, wenn Sie wissen was ich damit meine. Ein Schuh passt natürlich nicht überall.

        So war es mit den Kanzleien gemeint. Ohne etwas in der Hand zu haben können sie genau so wenig unternehmen wie jede Privatperson. Wir wollten die Blauäugigkeit bekämpfen in dem wir klarmachen, dass unsere Vertretung, wer auch immer das sein mag, uns eine nachvollziehbare Strategie vorlegen. Dies wurde bisher nur in den wenigsten Fällen, die ich kenne auch praktiziert.

        Glauben Sie mir, es geht anders. Wir müssen nur unsere Denkweise ein wenig ändern.

        David Blaz

  6. SWMike Says:

    Wieso braucht man für die Rückabwicklung von bankseitig vermittelten Fundus-Fonds Gutachten? Geht man an die Beraterbank, greift doch auch hier die Kickback-Rechtsprechung, da die Prospekte genau wie bei DG-Fonds über Provisionen nicht aufklären. Da waren wohl wieder die Prospekthaftungsexperten mit einem guten Rat dabei. Wie werben die gelben Seiten…?

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