Verzögerungstaktik vor Gericht

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Erneut wurde Gerichtstermin abgesagt: Diesmal wegen angeblicher Erkrankung der Bankanwältin

Hildesheim. Eigentlich hätte am Mittwoch, 17. August eine Gerichtsverhandlung vor dem Landgericht Hildesheim stattfinden sollen. Eine Verhandlung mit klarem Ausgang: Für Experten stand die Verurteilung der Volksbank Peine so gut wie fest.

Offensichtlich war der Ausgang der Verhandlung auch der Bankenseite im Voraus klar – daher galt es wieder einmal, Zeit zu gewinnen. Kurzerhand wurde dem Gericht mitgeteilt, die Verhandlung müsse verschoben werden, weil die Anwältin der Kanzlei White & Case krank sei. Zwei Tage zuvor hatte dieselbe Anwältin dieselbe Bank in einem anderen Prozess beim Landgericht Stade gegen einen geschädigten Anleger vertreten. „Da ging es der Frau noch ganz gut“, war von Beobachtern zu hören.

Was auf den ersten Blick banal wirkt hat jedoch einen Hintergrund von größerer Tragweite: Zum Jahresende droht die Verjährung der Anleger-Ansprüche. „Aus diesem Grund müssen wir leider immer wieder feststellen, dass die genossenschaftlichen Banken mit ihren Anwälten alles versuchen, die laufenden Prozesse in die Länge zu ziehen“, erklärt Anleger-Anwalt Dr. Michael Schulze von der Schweinfurter Kanzlei RSCW. „Ziel der Bankenseite ist es, eindeutige Urteile zu vermeiden, bis Ende 2011 die Verjährung eingetreten ist.“ Zwar gebe es schon genügend Urteile zugunsten von Anlegern. Doch jedes neue Urteil sei ein Signal an die Geschädigten, ihre Ansprüche gerichtlich durchzusetzen. „Dass sich die Verurteilung der Volksbank Peine nicht vermieden, sondern nur verzögern lässt, muss auch der Bank und ihren Anwälten klar sein.“ Doch wenn es jetzt zu einem schnellen Urteil im Sinne der Anleger gekommen wäre, hätten sich wohl weitere Geschädigte der Volksbank Peine zu einer Klage entschieden, „darum dieses durchsichtige Spiel zu Hinauszögerung des Urteils.“ Der Fachanwalt für Kapitalmarktrecht rät daher allen Anlegern, die ihre Ansprüche noch nicht durchgesetzt haben, jetzt zu handeln.

„Wer jetzt nichts unternimmt, der kann sein investiertes Geld endgültig abschreiben“ – diese Warnung ist auch von Anlegerschützern zu hören. Ein erfahrener Gerichtsbesucher ist sich sogar sicher: „Die genossenschaftlichen Banken, sind schon dabei, den Sekt kalt zu stellen“, denn wenn am 31.12.2011 die endgültige Verjährung eintrete, seien die Banken schlagartig von einem riesigen Ballast befreit. „Was den Anlegern hinterhältig abgezwackt wurde, dürfen die Banker dann rechtmäßig ihr Eigen nennen“.

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8 Antworten to “Verzögerungstaktik vor Gericht”

  1. vrbankopfer Says:

    Das einzige, was diese Bank dabei gewinnt, ist Zeit.
    Der Imageschaden aber bleibt.
    Und auf die Richter macht diese merkwürdige Taktik eher einen schlechten Eindruck.
    Nun, aufgeschoben ist nicht aufgehoben!

  2. manfredr Says:

    Leiderf werde ich nicht gegen meine Bank klagen, da ich als ehemaliger Mitarbeiter befürchten muss, dass meine zusätzliche Altersversorgung wegen „Undank“ aberkannt wird. Ja so ist es, so wird man als ehemaliger Bankmitarbeiter „doppelt“ bestraft.
    Ich kann nur hoffen, dass möglichst viele Geschädigte ihre Einlagen zurückfordern.

  3. Gerhard Mayer Says:

    Peinlich, diese Bank aus Peine

  4. Norbert Bilger Says:

    DG 34
    wie ich soeben erfahren habe, hat die DG-Anlagegesellschaft + DZ-Bank Ihre Nichtzulassungsbeschwerde beim BGH am 8 Juli 11, durch RA Prof. Dr. Krämer zurückgenommen.Somit ist das Urteil des OLG Frankfurt rechtskräftig + die ausgesetzten Verfahren können wieder aufgenommenwerden.

  5. Selbst mit ansehen: Gerichtstermine in Sachen DG Fonds « Bankgenosse's Blog Says:

    […] hier eine Übersicht (ohne Gewähr) über anstehende Gerichtstermine. Da Verhandlungen oft kurzfristig abgesagt oder verschoben werden, empfielt es sich, kurz vorher beim jeweiligen Gericht anzurufen, um sicher zu gehen, dass […]

  6. Selbst mit ansehen: Gerichtstermine in Sachen DG Fonds « Bankgenosse's Blog Says:

    […] Bankgenosse's Blog Hintergrundwissen über die genossenschaftliche Vermögens-Vernichtung « Verzögerungstaktik vor Gericht […]

  7. Bankgenosse's Blog Says:

    […] Verhandlungen oft kurzfristig abgesagt oder verschoben werden, empfielt es sich, kurz vorher beim jeweiligen Gericht anzurufen, um sicher zu gehen, dass […]

  8. volksbankenopfer Says:

    Eine Schande, wie hier die Gerichte belogen und hergehalten werden.

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