DG-Fonds: Erneut sieht sich die Südwestbank mit einer Klage wegen Falschberatung konfrontiert

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In diesem Fall hatten die Anleger, ein Ehepaar aus dem Großraum Ulm, auf Empfehlung der Stuttgarter Südwestbank Anteile am DGI-Fonds Nr. 28 gezeichnet. Da sie schon lange bei der Südwestbank Kunde waren, haben sie der Empfehlung Ihrer Beraterin vertraut. Mit dem Hinweis auf Investitionen der Fondsgesellschaft in bodenständige Werte wurden keinerlei Risiken gesehen. Letzte mögliche Zweifel wurden mit dem Argument aus dem Wege geräumt, nach 10 oder 15 Jahren könnten die Anteile problemlos wieder verkauft werden.

Am 22.11.2011 fand unter regem Publikumsinteresse die zweite Verhandlung vor dem LG Stuttgart statt.

Die Südwestbank sieht diesen Fall natürlich anders und fühlt sich zu Unrecht angeklagt, da sie keinerlei Ansätze für Beratungsfehler sehe. Die Beraterin hatte zwar keine konkreten Erinnerungen an den Inhalt der Beratungsgespräche mehr, aber sie war sich dennoch sicher, dass man den Kunden ausführlich und korrekt beraten hätte. Im Rahmen der zielgerichteten Befragung durch den Beklagtenanwalt konnte sie sich plötzlich wieder an einige Fakten erinnern: Üblicherweise sei bei diesen Gesprächen über das Agio und die Kosten gesprochen worden und dass dadurch „einem kundigen Anleger wie in diesem Fall klar sein musste, dass die Bank daran etwas verdienen möchte“. Aus ihrer Sicht musste dem Anleger klar sein, „dass das Agio die Vermittlungsprovision der Bank war.“

Die Beklagtenvertreter stritten vehement ab, dass die Bank in diesem Fall mehr als das Agio als Vermittlungsprovision erhalten habe. Auch die Hinweise des Klägeranwalts Dr. Schulze auf entsprechende Zeugenaussagen in vergleichbaren Fällen, wo von 8 % Bankprovision die Rede war, wurden für diesen Fall als nicht zutreffend hingestellt. Im Verlauf der Verhandlung wurde die Geduld der Richterin, Frau Dr. Berthold, auf eine harte Probe gestellt, da die Beklagtenvertreter sowohl der Richterin als auch dem Rechtsanwalt der Kläger wiederholt ins Wort fielen. Zudem wurden teilweise Äußerungen gemacht, die mit der eigentlichen Sache nichts zu tun hatten und, milde gesagt, nahe an persönlicher Diskriminierung der Klägerseite lagen.

Leider ließ die Richtererin im Verlauf der Verhandlung keine Entscheidungstendenz erkennen. Auch hinsichtlich der Berücksichtigung des entgangenen Gewinns sowie der Steuervorteile gab es keine erkennbaren Hinweise. Dennoch kann von einer Entscheidung im Sinne des Klägers ausgegangen werden. Die Urteilsverkündung wurde auf 30.12.2011 anberaumt.

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2 Antworten to “DG-Fonds: Erneut sieht sich die Südwestbank mit einer Klage wegen Falschberatung konfrontiert”

  1. vobaschaden Says:

    Hoffen wir, dass das Ehepaar aus Ulm am Silvestertag Grund zum Aufatmen bekommt und seine Ersparnisse zurück erhält!

    • vrbankopfer Says:

      Das wäre das erste Mal bei dieser Bank, dass sie ein Urteil in erster Instanz akzeptiert. Mich würde es sehr wundern.
      Eher ist mir einer Berufung beim OLG Stuttgart zu rechnen.
      So traurig das ist, ich glaube nicht an eine Bescherung zu Silvester.

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