VR-Bank Alzenau kann sich nur mit einem Vergleich einem Urteil entziehen

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DG-Fonds: Die Serie von Gerichtsverhandlungen gegen VR-Banken reißt nicht ab. Am 30.11.2011 konnte sich die VR-Bank Alzenau bei einer Verhandlung am LG Aschaffenburg nur knapp einem eindeutigen Urteil entziehen: In letzter Sekunde wurde in Vergleich geschlossen.

Der Anleger aus dem Großraum Aschaffenburg vertraute wie viele andere VR-Bank-Kunden seiner genossenschaftlichen Hausbank. Wie sollte er auch zweifeln, da sogar ein naher Verwandter in der Geschäftsleitung dieser Bank saß? Mit dem von seinem damaligen Berater empfohlenen DGI-Fonds Nr. 34 glaubte er im Jahr 1994, eine gute und sichere Geldanlage getätigt zu haben.

Die Ernüchterung kam, als sich herausstellte, dass dieser Fonds die großspurig prospektierten Erwartungen hinsichtlich der Erträge nicht erfüllte. Durch die inzwischen bekannt gewordene finanzielle Situation dieses Fonds musste er inzwischen davon ausgehen, dass seine Einlage verloren sein könnte. Nachdem gütliche Einigungsversuche mit der Bank scheiterten, blieb ihm nur die Hoffnung, mittels juristischer Hilfe wieder an seine Einlage heranzukommen.

Das Landgericht Aschaffenburg beschäftigte sich nun am 30.11.2011 mit seinem Fall, auch hier mit zahlreichen interessierten Zuschauern aus dem Anlegerkreis.

Die beklagte Bank trat, wie inzwischen in vielen Fällen, mit großem juristischem Aufwand auf. Sie wurde von der Kanzlei GenoRecht Roland Mayer vertreten, unterstützt von einer Streithelferin der DZ-Bank, Rechtsanwältin Frau Schmitt.

Gleich zu Beginn der Verhandlung unterrichtete die Richterin, Frau Pointner von der 13. Zivilkammer, die Parteien über ihre Einschätzung der Rechtslage unter Hinweis auf entsprechende Entscheidungen des Oberlandesgerichts Bamberg. Zur Vermeidung eines möglichen Urteils gegen die beklagte Bank riet sie den Parteien, Vergleichsvorschläge zu unterbreiten.

Angesichts der wohl aussichtlosen Erfolgsaussichten für die Beklagte, eine Klageabweisung zu erzielen, erklärte sich der Rechtsanwalt der Bank grundsätzlich zu einem Vergleich bereit. Die Vorstellungen der Bankseite lagen zunächst bei rund 50% der Anlagesumme.

Der Rechtsanwalt des Klägers, Dr. Schulze von der Kanzlei RSCW Schweinfurt, machte daraufhin deutlich, dass auf dieser Basis kein Vergleich zu erzielen sei. In den von ihm geführten vergleichbaren Verhandlungen hätte er üblicherweise Vergleichsquoten zwischen 80 und 100% erzielt.

Wohl angesichts der zahlreichen Zuschauer aus Anlegerkreisen wurden die Vergleichsverhandlungen zwischen den Parteien außerhalb des Gerichtssaals fortgeführt. Dort einigten sich die Parteien auf einen Vergleich, dessen Ergebnis im Gerichtssaal nicht genannt wurde. Nach Lage der Dinge wurde im Rahmen der Vergleichsvereinbarung Vertraulichkeit vereinbart.

Nach Abschluß der Vergleichsvereinbarung zog die Klägerpartei die Klage zurück. Durch diesen außergerichtlichen Vergleich konnte die beklagte Bank einem Urteil entgehen.

Nach Einschätzung der Beobachter dürfte die Entschädigungsquote im Bereich von 70 bis 80% liegen. Damit hat der Anleger damit einen Großteil seines Anlagebetrages zurück erhalten. Somit kann man diese Verhandlung als Erfolg verbuchen, da der Kläger nicht rechtsschutzversichert war.

Ohne diese Klage mittels eines versierten Fachanwalts für Bankenrecht wäre der Anleger wohl leer ausgegangen.

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2 Antworten to “VR-Bank Alzenau kann sich nur mit einem Vergleich einem Urteil entziehen”

  1. vobaschaden Says:

    Landauf, landab das gleiche Trauerspiel: Nur durch Klage gegen die jeweilige Volksbank kommen die kleinen Anleger wieder an ihr Erspartes, müssen Anwaltskosten und Teilverluste tragen. Die Volksbanken fiebern dem 31.12.2011 entgegen, wo Verjährung der Ansprüche kommt. Aber nach diesem Termin kommt noch etwas anderes: Der unaufhaltsame Untergang dieser Bankengruppe, die schweren Vertrauensmißbrauch begangen hat. Eigentlich schade, denn das Grundprinzip von Raiffeisen und Schulze-Delitzsch war wirklich gut und hat über 100 Jahre funktioniert, weil gegenseitige Achtung und Wertschätzung praktiziert wurde. Leider gehen solche Prinzipien heute weitgehend verloren.

  2. vrbankopfer Says:

    Wenn diese Bank sicher gewesen wäre, damals keine Beratungsfehler gamacht zu haben, hätte sie sicherlich diesem Vergleich nicht zugestimmt. Da konnte auch die Streithelferin (DZ-Bank) nichts ändern. Schade, dass die beklagte Bank sowie die DZ-Bank trotzdem noch an diesem Anleger verdient haben, da sie nur einen Teil des Anlagebetrages erstatten mußten.
    Nach wie vor ist festzuhalten: ohne Klage wird nichts gezahlt.

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