Bad Waldseer Bank zur Rückzahlung verurteilt.

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„Über was haben Sie im Rahmen der Beratung noch aufgeklärt“ fragte die Richterin den ehemaligen Anlageberater der Bad Waldseer Bank, welcher zwischenzeitlich zum Vorstand aufgestiegen war. Mit keinem Wort erwähnte dieser eine Aufklärung über Provisionszahlungen. Deutlich vernehmbar soufflierte der Anwalt der Bank sodann „Das Agio ging als Provision an die Bank!“.

Im Protokoll wurde daraufhin vermerkt, dass der Beklagtenanwalt etwas Unverständliches „vorsagte“. Endlich bestätigte der Vorstand sodann, die Ehefrau des DG-Anlegers entsprechend darüber aufgeklärt zu haben. Natürlich schenkte das Landgericht Ravensburg dieser Aussage keinen Glauben.

Die Bad Waldseer Bank wurde nunmehr zur Rückzahlung von fast EUR 80.000 verurteilt. Der offene Rest des zur Finanzierung dienenden Darlehens wurde auf Null gesetzt und die Bad Waldseer Bank hat sämtliche Verfahrenskosten und die Anwaltskosten des Klägers zu tragen.

Neben Prospektfehlern im Emissionsprospekt des DG-Fonds Nr. 34 wurde die Klage auf verschwiegene Rückvergütungen sowie das Verschweigen der nicht gegebenen Veräußerbarkeit des Immobilienfondsanteils gestützt. Das Landgericht Ravensburg schloss sich erneut der Argumentation des Schweinfurter Fachanwalts für Bank- und Kapitalmarktrecht Dr. Michael Schulze an.

„Die Besonderheit dieses Verfahrens war der Umstand, dass die Bank vehement behauptete, darüber aufgeklärt zu haben, das Agio als Provision vereinnahmt zu haben“, so Dr. Schulze. „Bemerkenswerterweise war Herr Sproll nicht bereit, auch nur einen Anleger namhaft zu machen, der entsprechend aufgeklärt wurde. Dies trotz des Umstands, dass der nunmehrige Vorstand stets – in Unkenntnis einer solchen Aufklärungspflicht – aufgeklärt haben will. Sämtliche mir bekannten Anleger, welche von Herrn Sproll beraten wurden, bestätigen exakt das Gegenteil“, so Dr. Schulze.

Im Gütetermin war durch das Gericht noch ein Vergleichsvorschlag auf Basis von 1/3 der Anlagesumme unterbreitet worden. Nach Beratung mit seinem Anwalt lehnte der Kläger eine solche Einigung ab. Zu Recht, wie sich nun herausstellte.

Dr. Schulze und der Kläger sind mit diesem Urteil zufrieden. Erneut hat sich gezeigt, dass auch der leichtfertige Umgang der Beraterbank mit der prozessualen Wahrheitspflicht dieser nicht zum Erfolg verhelfen konnte.

Betroffenen Anlegern wird empfohlen, sich kompetenten fachanwaltlichen Rat einzuholen, um zu ihrem Recht zu kommen. „Erfolgreiche Akquise ist hierbei nicht mit Erfolg bei Gericht zu verwechseln“, so Dr. Schulze.

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2 Antworten to “Bad Waldseer Bank zur Rückzahlung verurteilt.”

  1. Vobaschaden Says:

    Fast überall sind die Berater, die damals ihren Kunden die Provisionen verheimlicht haben, aufgestiegen und haben „Banker-Karriere“ gemacht. Gut, dass sie heute von den Gerichten enttarnt werden – und gut, dass die Kleinanleger nun ihr Geld zurückbekommen. Der Imageschaden für die Volksbanken ist dennoch gewaltig.

  2. Armin von der Bank Says:

    Schon wieder ein Fall von „Genossenverrat“.

    Wenn Herr Raiffeisen nochmals einreifen könnte, würde er wohl als erstes die genossenschaftlichen Banken schließen, weil sie sich genu zu dem entwickelt haben, wogegen er mit seiner genossenschaftlichen Idee angetreten ist.

    Wer genossenschaftliche Prinzipien kennt und verstanden hat, der weiß, dass die heutigen Volks- und Raiffeisenbanken keine wirklichen Genossenschaften mehr sind, sondern nur noch „entgleiste Subjekte“, die scheinheilig unter genossenschaftlichem Deckmäntelchen ihr Unwesen treiben.

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