Balingen: Die nächste Volksbank-Pleite

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244_image_1„Gier frisst Hirn“ – ein Satz, den der Balinger Volksbank-Vorstand Edgar Luippold gerne gebraucht, wenn es darum geht, attraktive Angebote anderer Anbieter schlecht zu reden. Opfer der eigenen Gier nach Geltungsbedürfnis ist die Volksbank und zehn weitere Investoren wohl in Sachen „Volksbank-Messe“ geworden: Man konnte es nicht länger mit ansehen, dass die „Sparkassen-Arena“ weithin sichtbar direkt neben dem Balinger Messegelände erstrahlte. Ein eigenes Denkmal musste her. Die Volksbank wickelte 10 private Investoren ein, um mit ihnen gemeinsam eine Messehalle zu finanzieren, die den überaus kreativen Namen „Volksbank-Messe“ erhalten sollte. Über das Betreiberkonzept hatte man – wie sich jetzt herausstellt – zu wenig nachgedacht. Und so kommt es, dass wieder einmal Investoren, die den Versprechungen der Volksbank Balingen glaubten, ihre Einlagen verlieren werden. Kommt uns das nicht bekannt vor?

Richtig: Anleger, die bei der Volksbank mit den „DG Immobilienfonds“ eine „sichere Anlage“ gezeichnet hatten, die nach Aussagen der Berater „eine ideale Altersvorsorge“ weil besonders „wertbeständig“ sei, waren wenige Jahre später mit dem Totalverlut ihres eingesetzen Kapitals konfrontiert. Doch diesmal – man höre – wird der Ruf nach der Stadt laut: Mit Steuergeldern soll die Einlage der Investoren gerettet werden.

Wer Geld anlegen will, sollte sich genau überlegen, bei wem er das tut. Eine Bank, die eine Pleite nach der anderen hinlegt, dürfte als Partner des Vertrauens wohl eher ungeeinget sein. Unter erfahrenen Anlegern gilt zwischnezeitlich ohnehin der Satz: „Wo Volksbank drauf steht, ist Pleite drin“ – so gesehen war der seltsam verkrampft klingende Name der Balinger Messehalle vielleicht doch nur eine gut sichtbar angebrachte Warnung an die Investoren.

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7 Antworten to “Balingen: Die nächste Volksbank-Pleite”

  1. Christian Says:

    Das ist wirklich ein verwegener Vergleich: Investoren in eine Messehalle und private Anleger in einen Topf zu werfen.

  2. bankgenosse Says:

    @Christian: Danke für Ihren Kommentar.

    Bitte erklären Sie uns doch näher, was daran verwegen ist, wenn Investoren in verschiedene Objekte in einem Atemzug genannt werden. Gerne würden wir erfahren, wo Sie die Unterschiede sehen zwischen einem Investment in eine Messehalle und einem Investment in eine anderweitig genutzte Immobilie.

    • Christian Says:

      Naja, geschlossene Fonds sind sicher riskanter als konventionelle Anlagen und für das breite Publikum nicht geeignet, aber dennoch auch für private Anleger in größerer Zahl vorgesehen. Die Anleger haben zudem kein Mitspracherecht bei der Investition, und der Anlagezeitraum ist in der Regel vorher definiert.

      Die Investition in eine Messehalle ist ein Investment, was zum einen einem viel kleineren Kreis vorbehalten. Bei einer solchen Investition ist klar davon auszugehen, dass alle Beteiligten wissen was sie tun. Diese Investoren haben i.d.r. Ein Mitspracherecht.

      Sie erkennen den Unterschied allein schon darin, dass für geschlossene Fonds ein wertpapierprospekt erforderlich ist bei der Investition in eine Messehalle nicht.

      Kurz: Fonds sind eine Geldanlage die das Ziel der Verzinsung haben. Die Investitionen in eine Messehalle hat eher betriebswirtschaftlichen Charakter und muss nicht zwangsläufig das Ziel der Verzinsung haben.

      • bankgenosse Says:

        Danke für Ihre Ausführungen. Die verschiedenen DG Fonds waren zwar unterschiedlich konzipiert, bei den meisten handelt es sich um eine Kommanditisten-Beteiligung an einer KG. die Anleger sind also Gesellschafter an einem gewerblichen Unternehmen. Daher gab es formal auch keine Verzinsung, sondern höchstens eine Ausschüttung (die allerdings bei den Verkausgesprächen als so sicher wie eine Verzinsung dargestellt wurde – nur ebern mit „mehr Luft nach oben“). Sowohl die Gesellschafter der Messehallen-Geselschaft als auch die DG-Fonds-Teilhaber haben wohl zumindest den Erhalt ihres Kapitals plus eine angemessene Ausschüttung erwartet.

        Die meisten DG Fonds haben – anders als versprochen – nie einen Cent ausgeschüttet und irgendwann war dann klar, dass auch das eingesetzte Kapital weg ist. Das trifft für die Messehallen-Gesellschaft in ähnlicher Form zu.

        Wir stimmen Ihnen allerdings zu: Das Mitspracherecht der DG Fonds Anleger (die ja Geselschafter der jeweiligen KG sind) wurde von den genossenschaftlichen Rechtsverdrehern vertraglich so beschnitten, dass sie tatenlos zusehen müssen, wie sich andere ihr Geld abgreifen.

        Ebenfalls zutreffend ist, dass geschlossene Fonds riskant sind (was den Anlegern gegenüber anfangs jedoch anders dargestellt worden war). Dass es sich bei der Beteiligung an der Messehalle um ein Investment mit betriebswirtschaftlichem Risiko handelt und die Beteiligten wohl schon gewusst haben müssten, was sie tun, sehen wir ähnlich. Dann stellt sich allerdigns die Frage, warum der Messehallen-Investor von der Stadt entschädigt werden sollte, während der gutgläubige DG-Fonds-Anleger auf seinem Schaden sitzen bleibt.

  3. volksbankenopfer Says:

    Der Schwarzwälder Bote schreibt:

    „Mit ziemlicher Sicherheit ist es kein Zufall, dass die Volksbank Balingen der Hauptgeldgeber der Messehalle wurde. Die Bank wollte, so formuliert es ein Gemeinderat, der in Planung befindlichen und 2006 fertiggestellten SparkassenArena etwas entgegensetzen. Oberbürgermeister Edmund Merkel war zu diesem Zeitpunkt Mitglied des Aufsichtsrats der Volksbank Balingen.“

    Das zeigt wieder einmal: Immer wieder werden genossenschaftliche Klüngel für schräge Geschäfte missbraucht, die hinterher für viel Ärger sorgen – doch meist erst dann, wenn sich die Verantwortlichen davon gestohlen haben. Ein Oberbürgermeister im Aufsichtsrat, der nicht mehr im Amt ist, wenn die Bombe platzt, und ein Bankvorstand, der ganz plötzlich schnell in den Ruhestand wechseln will, obwohl er bis dato fest an seinem Stuhl geklebt ist – das spricht doch Bände!

    Auch bei den DG Fonds sind die Verursacher größtenteils nicht mehr zu greifen – man hat alles so geschickt eingefädelt, dass es erst knallt, wenn man weg ist. So funktioniert das System bis heute.

  4. genoControl Says:

    Es wird immer toller: Der Schwarzwälder Bote hat mal wieder Interessantes aufgedeckt. Man darf gespannt sein, was in dieser Affäre noch alles für Verstrickungen und Mauscheleien ans Tageslicht kommen.

  5. nicklasmandelroth Says:

    Geht ja ganz schön ab in Ösi-Land… :O

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